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Interview mit Roger Stämpfli

Einkaufen, das geht heute 24/7 per Mausklick. Doch wo hat die klassische Einkaufsstrasse ihre Berechtigung und wie müssen Produkte heute offline präsentiert werden? Roger Stämpfli, Executive Creative Director bei Aroma, steht Rede und Antwort.

ISABEL: Roger, wie gehst du einkaufen?

ROGER: Immer wie gezielter, Hemden zum Beispiel kaufe ich bei Fidelio in Zürich. Und natürlich auf Reisen, da am liebsten in Berlin – ich empfehle den Voo Store.

ISABEL: Was gibt es da zu entdecken?

ROGER: Ein klassischer Hipster-Store, der auf kuratiertes Shopping setzt. Hier finde ich Teile, die sonst so auf dem Markt nicht zu haben sind. 

ISABEL: Und wie stehst du zum Online-Shopping?

ROGER: Natürlich kaufe ich ab und zu online. Hosen zum Beispiel kaufe ich gerne online bei G-Star.

ISABEL: Du erwähntest primär Nischen-Geschäfte. Wie siehst du die Zukunft der konventionellen Einkaufsstrasse?

ROGER: Ich glaube sie hat eine Zukunft, wenn sie ihre Hausaufgaben macht. Der Angebotsmix muss spannend sein und sich jederzeit agil anpassen können, damit der Kunde immer wieder etwas Neues zu entdecken hat.

ISABEL: Wie genau soll den das Produkt heute im Retail präsentiert werden?

ROGER: Das Erlebnis wird immer wichtiger, dazu braucht es ein gutes Visual Merchandising. Die Fläche ist eine Bühne: Hier kann der Brand erlebbar gemacht werden, hier kann eine Markenidentität und ein sozialer Treffpunkt geschaffen werden – das ist im Internet nur beschränkt möglich: zusammen ein Parfüm ausprobieren und darüber diskutieren, wie es dem anderen schmeckt, das wird online nie möglich sein ... 

 

Fashion Villa Slider 02

 

ISABEL: Wie wird ein Brand erlebbar?

ROGER: Events werden immer wichtiger, das gemeinsame Erlebnis: Vernissagen, Autogrammstunden, Stars und Influencer Live erleben. Dies versuchen wir auch gemeinsam mit dem Glatt Center mit ihren mehrmals jährlich wechselnden Eventflächen, welche teilweise bereits einem Festival ähneln. 

ISABEL: Erlebbar wird eine Marke auch, indem ich Transparenz aufzeige:

ROGER: Woher kommt das Produkt? Hier kann so viel erzählt werden. Besucherzentren werden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hierzu durften wir etwa das Besucherzentrum für Möhl umsetzen. Eine klassische Mosterei versucht durch ein aussergewöhnliches Besucherzentrum, neue Kundengruppen an sich zu binden und seine Geschichte erlebbar zu machen. Hier kann eine Kundenbindung erzielt werden, welche mit klassischer und digitaler Werbung so nicht zu erreichen ist. 

ISABEL: Du erwähntest Events und Transparenz als wichtige Punkte. Gibt es weitere Themen, welche Potential haben?

ROGER: Ich glaube fest daran, dass regionale Produkte eine neue Wichtigkeit bekommen. Nachhaltigkeit als solches wird weiterhin an Bedeutung gewinnen. Nicht umsonst hat heute jede kleinste Stadt mindestens einen Zero Waste Laden. Das ist nicht ein kleiner Trend, das ist ein Megatrend, der sich hier abzeichnet. 

 

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ISABEL: Das Internet muss einem als Retailer also gar keine Sorge bereiten?

ROGER: Das Internet nimmt einen wichtigen Part ein. Ich glaube, es ist gar nicht mehr sinnvoll, on- und offline zu trennen und als gegenseitige Konkurrenzsituation zu betrachten. Formate, die sowohl on- als auch offline Shopping harmonisch zusammenfügen können, werden langfristig Erfolg haben. Es ist wohl kein Zufall, dass Formate wie Zalando vermehrt auch probieren, auf der Fläche Fuss zu fassen, um neue Kundengruppen von sich zu überzeugen. 

Roger Stämpfli weiss viel, zeichnet viel und kocht gern.
Und fragen zu diesem Artikel oder anderen Themen beantwortet er auch gern.