Büro war gestern

Andi Plan
«Der Trend im Office Design geht hin zur räumlichen Vielfalt», sagt unser Architekt Andreas Meier.

Co-Working Spaces schiessen aus dem Boden, Home-Office ist akzeptiert und wird nicht mehr als «Blaumachen» verstanden, dank der Digitalisierung ist die physische Anwesenheit am Arbeitsplatz gar nicht mehr notwendig. Weshalb ist die Investition in Architektur und Office Design dennoch gewinnbringend? Das fragen wir Andreas Meier, Architekt bei Aroma.

Wodurch legitimiert sich der Trend zur Corporate Architecture bzw. Office Design, wenn wir immer weniger Zeit im Büro verbringen?

Die Räumlichkeiten sind ein Spiegel der Unternehmenskultur, Werte und Haltungen. Gegen innen und aussen schafft Architektur Identität. In einer Zeit in der sich der Arbeitsmarkt zu einem Arenakampf um die besten Talente entwickelt, ist eine klare Architektur und eine der Kultur entsprechende Bürogestaltung mitentscheidend, um Mitarbeitende für ein Unternehmen gewinnen und auch halten zu können.

Darüber hinaus sind Kooperation und Kommunikation in der heutigen Wissensgesellschaft treibende Kräfte für Innovation. Die räumliche Gestaltung trägt wesentlich dazu bei.

Somit geht es also nicht allein um die Repräsentation gegen aussen, sondern ist auch als Instrument für das Employer Branding zu verstehen?

Ja, um es an einem Beispiel festzumachen: Ein Unternehmen wirkt unglaubwürdig, wenn es vordergründig Teamwork und Innovation hochhält, die Mitarbeitenden jedoch in Einzelbüros sitzen und der Kafi-Automat irgendwo im dunklen Flur steht.

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On running Office: Chill-out Zone neben Arbeitsplatz
Das würde die Vorliebe fürs Home-Office erklären.

Die Arbeit ist heute durch die Technologisierung nicht mehr zwingend ortsgebunden. Wir arbeiten daher auch von zu Hause oder unterwegs. Dennoch sind wir soziale Wesen, wir brauchen das Gefühl der Zugehörigkeit und den regelmässigen Austausch. Das erleben wir nur innerhalb des Betriebs. Auch belegen Studien des Frauenhofer-Instituts, dass die räumliche Umgebung massgeblich zur Mitarbeitermotivation beiträgt. Und das unabhängig davon, wie viel Zeit wir am Arbeitsplatz verbringen.

Für viele ist Google der Place to work: mit Chill-out-Zonen, Hängematten, Tischfussball, einer Rutschbahn und vielen bunten Farben. Man könnte meinen, es genügt in die Bürolandschaft einfach eine «Spielinsel» zu integrieren. 

Das wird so nicht funktionieren. Wie Google anschaulich zeigt: Die Arbeitsumgebung muss einerseits räumliche Identität transportieren und andererseits Arbeitsprozesse fördern. Es ist kein Selbstzweck. Die perfekte Arbeitsumgebung ist für jedes Unternehmen eine andere.

News Arbeitswelten
Eine «Spielinsel» kann Abwechslung in den Arbeitsalltag schaffen
Dennoch erinnern heutige Office Designs mehr an eine Wohnlandschaft als an graue Hallen voller Arbeitsplätze. Woher kommt das?

Der Trend geht hin zu einer räumlichen Vielfalt. Unterschiedliche Arbeitssituationen unterstützen unterschiedliche Arbeitsstile. Fokuszonen beispielsweise ermöglichen konzentriertes Arbeiten, richtig platzierte Sitzgruppen fördern den spontanen Austausch. Denn Innovation entsteht meist nicht im Sitzungszimmer.

Unterstützt wird dieser Trend durch wissenschaftliche Studien die belegen, dass wir uns in einer «Wohnzimmeratmosphäre» wohler fühlen und entsprechend besser arbeiten, um Alice Hollenstein, Urban Psychologist zu zitieren.

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Admeira Office: Inspirierende Arbeiszone mit Wohnzimmeratmosphäre

Wenn ich als Unternehmen heute mein Office Design neu konzipieren möchte. Worauf ist zu achten?

Die Neugestaltung ist für Mitarbeitende ein grosser Einschnitt und häufig eine enorme Umstellung. Um Hemmschwellen gering zu halten und die Akzeptanz zu fördern, binden wir Mitarbeitende über sämtliche Hierarchiestufen früh in den Prozess mit ein, beispielsweise mittels Workshops, Visionierungen oder Probeeinrichtungen.

In einem Unternehmen arbeiten meist mehrere Generationen. Sind damit nicht auch unterschiedliche Vorstellungen vom «perfekten Arbeitsplatz» verbunden?

Bis im Jahr 2020 gehören 50% der Arbeitenden zur Generation Y, also zwischen 1985 und 1995 Geborene. Sie stellen autoritäre Strukturen in Frage und möchten nicht für sondern mit einer Firma arbeiten, um zwei Unterschiede zu den Generationen Baby Boomers oder Generation X zu nennen. Umso wichtiger ist das frühe Onboarding von unterschiedlichen Mitarbeitenden, damit das Office Design den vielseitigen Bedürfnissen gerecht wird.

Nach diesem Gespräch scheinen mir die Begriffe Office Design oder Corporate Architecture recht kurz gegriffen. 

Es geht um viel mehr als nur – sagen wir mal – schönes Design. Wir setzen uns intensiv mit der Organisation auseinander: von der Corporate Identity, den Unternehmenswerten bis hin zu den Kommunikations- und Arbeitsprozessen, bevor wir uns mit dem Raumklima, dem Lichtdesign oder der Ergonomie am Arbeitsplatz befassen. 

Lust auf mehr? Hier geht’s zu den Projekten von Aroma Architecture.

 

Das Interview führte Karin Knapp. Sie greift gerne Trends auf, reitet aber nicht auf jeder Welle mit.